#fragdietexterin: Interview mit Julia Simon

Claudia Siedenbiedel alias Julia Simon und ihr Traumtörtchen

Schreiben und Yoga – in meiner Brust schlagen zwei Herzen. Ich verdiene meine Brötchen als Texterin und als Yogalehrerin und beides ist für mich eine Berufung. Ich fahre ganz bewusst zweigleisig durchs Arbeitsleben, was viel Abwechslung in meinen Alltag bringt – und manchmal eine gehörige Portion Stress, wenn die Termine sich häufen. Mich interessiert, wie andere damit umgehen, die auch zwei Standbeine haben. Heute befrage ich dazu Claudia Siedenbiedel, die unter dem Pseudonym Julia Simon im letzten Jahr ihren Roman „Traumtörtchen“ bei Bastei Lübbe veröffentlicht hat.

Claudia arbeitet seit über zehn Jahren in der Marketingabteilung eines internationalen Prüfungs- und Beratungsunternehmens. Dort ist sie für das Thema Schreiben zuständig. Neben ihrem Job und der Familie hat sie einen wunderschönen Liebesroman mit viel Lokalkolorit geschrieben – „Traumtörtchen“.

Textyogi: Claudia, was treibt dich an: Wie hast du es geschafft, dich nach getaner Arbeit zu motivieren, ein Buch zu schreiben?

Claudia Siedenbiedel: Für mich ist das Bücherschreiben ein schöner Ausgleich zu meinem regulären Job. Ich schreibe seit mehr als zehn Jahren Texte für ein Prüfungs- und Beratungsunternehmen – und mir gefällt mein Job nach wie vor sehr gut. Aber ich wollte meine Phantasie und Kreativität noch mehr ausleben. Die Texte, die ich täglich bei der Arbeit bearbeite, sind fachlich sehr anspruchsvoll und erklärungsbedürftig. Die große Herausforderung ist es, die komplexen Themen verständlich auf den Punkt zu bringen. Dagegen geht es beim Bücherschreiben darum, Geschichten zu erzählen, Spannung aufzubauen und zu halten. Die Sprache ist hier natürlich auch eine andere. Für mich ergänzen sich die beiden Welten prima. Außerdem habe ich schon als Teenager davon geträumt, ein Buch zu schreiben, die Motivation war also schon lange da.

Textyogi: Wie bist du auf die Idee zu „Traumtörtchen“ gekommen?

Claudia Siedenbiedel: Das „Setting“ also die Rahmenhandlung war für mich schnell gefunden. Denn ich backe leidenschaftlich gern. Backen ist für mich kreatives Gestalten. Ich kann z.B. nicht Basteln, da habe ich zwei linke Hände. Dafür veranstalte ich aber regelmäßig Backorgien mit meiner Tochter, das sind dann sozusagen unsere gemeinsamen „Bastelarbeiten“. Das hat in unserer Familie Tradition. Ich bin in einer Großfamilie aufgewachsen: Vor Feiern und Familientreffen habe ich tagelang mit meiner Mutter und meinen Tanten gebacken. Fertigkuchen kannte ich als Kind nicht.

Für meine Heldin brauchte ich dann noch einen größtmöglichen Konflikt, den es zu lösen gilt. Deshalb muss sie sich zwischen der Frage „Baby oder Liebe?“ entscheiden. Sie steht also zwischen zwei Männern: Der eine bietet finanzielle Absicherung und will mit ihr eine Familie gründen. Der andere ist der tollere, der will aber keine Familie mehr, weil er schon zwei Kinder aus seiner ersten Ehe hat.

Mit dem richtigen Handwerkszeug zum Erfolg

Textyogi: Gab es spezielle Hürden, die du im Laufe des Projekts überwinden musstest? Und, falls ja, wie hast du sie überwunden?

Claudia Siedenbiedel: Ja, ich habe irgendwann gemerkt, dass ich es nicht schaffe, die Spannung zu halten, mir fehlte das Handwerkszeug dazu. Deshalb habe ich mir Hilfe gesucht und einen Kurs „Romanentwicklung“ bei der Textmanufaktur belegt. Mit der professionellen Unterstützung in diesem Kurs lief es dann.

Eine weitere Hürde war die fehlende Zeit. Zwischen Job, Haushalt und Familie bleiben ja nicht mehr viele Lücken. Ich habe mir meine Zeitfenster fürs Schreiben dann abends geschaffen. Ich habe zwei Jahre lang kein Fernsehen geschaut – plötzlich hatte ich abends mindestens zwei Stunden zum Schreiben.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen

 

Julia Simon, „Traumtörtchen“

Textyogi: Wie waren die Reaktionen bei Freunden und Kollegen?

Claudia Siedenbiedel: Überwältigend. Ich hätte vorher wirklich nicht gedacht, dass so viele Menschen in meinem Umfeld das Buch lesen und sich mit mir freuen. Meine Kolleginnen und Kollegen haben mit mir auf das Buch angestoßen – und ich habe natürlich Törtchen ausgegeben. Meine Freunde, Bekannten und meine gesamte Großfamilie haben ebenfalls großen Anteil am Buch genommen. Erstaunlich fand ich auch, dass viele Männer in meinem Umfeld mein Buch gelesen haben, obwohl es ja ein Frauenbuch ist, vom Teenagersohn einer Freundin, über meine Cousins bis zum Kollegen aus der Buchhaltung.

Textyogi: Sind weitere Bücher in Planung?

Claudia Siedenbiedel: Ja, ich arbeite am Plot des zweiten Buches. Ich kann mir jetzt nicht mehr vorstellen, mit dem Bücherschreiben aufzuhören. Es macht einfach zu viel Spaß.

Schreiben und glücklich sein

Textyogi: Schreiben als Therapie – richtig oder falsch?

Claudia Siedenbiedel: Es kommt darauf an, was ich schreibe. Für mich ist Schreiben Therapie, wenn ich mir Geschichten ausdenken kann, meine Kreativität voll ausleben kann. Dann bin ich richtig glücklich beim Schreiben. Wenn ich irgendwas aufzuarbeiten hätte, könnte ich das nicht schreibend machen.

Textyogi: Was machst du, wenn du so richtig entspannen willst? Yoga? Backen? Spazieren gehen?

Claudia Siedenbiedel: Für mich ist Lesen total entspannend, das ist wie Meditieren. Ich kann dann in eine andere Welt abtauchen und den Alltagsstress ausblenden. Nach sehr langen Schreibphasen muss ich dann aber auch ins Fitnessstudio, um den Kopf wieder frei zu bekommen.

Textyogi: Wie entfaltet sich deine Kreativität am besten?

Claudia Siedenbiedel: In Ruhe. Wenn ich weiß, dass ich zwei ungestörte Schreibstunden vor mir habe, dann bin ich kreativ. Manchmal kommen mir Einfälle aber auch beim Abwaschen oder anderen Alltagssituationen. Die entscheidende Wendung für den Plot meines aktuellen Buches fiel mir letztens unter der Dusche ein.

Textyogi: Sprache kann eine eigene Schönheit entfalten – egal, um welches Thema es geht. Würdest du das auch unterschreiben, wenn es z.B. um Fachtexte über die Steuergesetzgebung geht?

Claudia Siedenbiedel: Absolut. Wenn ein Steuertext klar und verständlich auf den Punkt gebracht ist, kann der mich richtig begeistern. Ein fachlicher Text, der inhaltlich anspruchsvoll ist, einen roten Faden hat, mit vielen Verben arbeitet, überwiegend im Aktiv verfasst ist und ohne Verschachtelungen auskommt, ist in meinen Augen wunderschön.

 

Fotos: Claudia Siedenbiedel

Mehr über das Thema Schreiben und Kreativität erfahrt ihr hier:

https://das-ist-text.de/schreiben-und-yoga/

https://das-ist-text.de/kreativitaetstechniken/

 

 

3 Gedanken zu “#fragdietexterin: Interview mit Julia Simon”

  1. Ich liebe das Buch Traumtörtchen. Und ich war ein bisschen enttäuscht von dem Ende. Das war so ein wundervolles Buch. Ich hoffe so sehr es gibt eine Fortsetzung mit Nina, Matthias den Kindern. Haben sie geheiratet haben sie Kinder bekommen wir war der Alltag. Wie hat sie alles unter einen Hut bekommen? Ich wünsche mir gerne eine Fortsetzung. Und alles es schon eine gibt habe ich sie leider nicht gefunden vielleicht kann man mir sagen wie das Buch heißt. Bitte um Antwort darüber würde ich mich sehr freuen. Vielen Dank. Und herzliche Grüße

  2. Liebe Justine, vielen Dank für deinen Kommentar zu meinen Traumtörtchen, er hat meinen Tag verschönert. Ich schreibe gerade an meinem zweiten Buch. Das ist zwar keine direkte Fortsetzung, Nina und ihre Familie kommen aber als Nebenfigur vor. Man erfährt, wie es weiter geht. Als Neuautorin ist es nicht so leicht, ein Buch beim Verlag zu platzieren, und obwohl sich die Traumtörtchen gut verkauft haben, sind die Verlage eher vorsichtig. Deshalb dauert es leider noch etwas…
    Ich lege mir jetzt mal einen E-Mail-Verteiler an und informiere dich dann, wenn ich ein Veröffentlichungsdatum weiß. Wenn du magst, schicke ich dir das zweite Buch gern vorab zum Testlesen ;-)) Sei herzlich gegrüßt
    Claudia (oder Julia)

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