Trigger: Was triggert dich und wie gehst du damit um?

In diesem Beitrag geht es um Trigger – Triggerpunkte, Triggererlebnisse, Triggererfahrungen, im Job, im Alltag, in unserem Sein. Darum, wie sie uns beeinflussen, wie wir mit ihnen umgehen können und was die Yogaphilosophie dazu sagt.

Kennst du deine Trigger? Falls nicht, mach sie dir bewusst!

Das englische Wort „trigger“ bedeutet Auslöser und bezeichnet Situationen, Erlebnisse, Verhaltensweisen oder auch Dinge, auf die wir reagieren. Wir alle haben unsere persönlichen Triggermomente, die bei uns etwas auslösen, sei es auf emotionaler oder körperlicher Ebene. Diese Reaktionen können negativer oder aber positiver Art sein. Man könnte zwischen emotionalen Triggern und physischen Triggerpunkten unterscheiden, aber meiner Meinung nach sind beide Varianten eng miteinander verbunden. Emotionale Reaktionen hinterlassen Spuren in unserem Körper, die sich leider oft in Form von Verspannungen und Schmerzen bemerkbar machen.

Was sagt die Yogaphilosophie zum Thema Trigger?

In der Yogaphilosophie findet sich viel über das Thema Trigger, ohne das das Wort explizit genannt wird. Aber letztlich ist das Ziel von Yoga die Erleuchtung im Sinne eines gelassenen Geistes, der frei von Leid ist. Trigger können diesem Zustand nichts mehr anhaben. Patanjali, der als Autor des Yogasutra gilt, spricht von vier Bhavanas (siehe auch wiki.yoga-vidya.de/Bhavana) – Liebe, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut – die zusammen den yogischen Zustand der Gelassenheit definieren. Als genau das Gegenteil des Zustands, in den uns Trigger bringen. Es lohnt sich also, einen genaueren Blick auf die eigenen Trigger zu werfen, wenn wir mehr über uns erfahren wollen. Wenn wir zu größerer Gelassenheit gelangen wollen und wenn wir uns dauerhaft von unseren Gewohnheitsmustern befreien möchten.

Freier werden heißt bewusster werden

Trigger verursachen Leid: Nehmen wir z. B. eine Situation im Job: den Kollegen, dessen Art, zu sprechen, uns nervt, den Vorgesetzten, der für uns sowieso ein rotes Tuch ist, oder das Tastaturklackern des Gegenübers, auf das wir allergisch sind. Oder eine Situation aus dem Alltag: Gehörst du zu den Autofahrern, die sofort auf die Palme gehen, wenn ein anderer Fahrer einen Fehler macht und die prinzipiell vor sich hin schimpfen, auch wenn dieser das gar nicht hören können? Die Folge ist auf jeden Fall Anspannung, Verärgerung, ein Zusammenziehen der Muskulatur. Alles andere als Weichheit, Flexibilität, Gelassenheit.

Was triggert dich – welche Situationen sind es und was steckt dahinter?

Die Frage nach den ganz persönlichen Triggern ist spannend und sicher nicht einfach so zu beantworten. Aber es geht erst einmal darum, sich dieser Situationen bewusst zu werden, einfach mal darüber nachzudenken. Allein das bewirkt etwas. Wir schauen hin. Und vielleicht gelingt es uns, auch dahinter zu schauen. Ein anderes Beispiel, bei dem wir alle in Triggersituationen geraten, ist die Familie. Wenn wir als Erwachsene unsere Eltern besuchen und vielleicht auch ein paar Tage mit ihnen in unserem alten Zuhause verbringen, werden wir unweigerlich getriggert. Denn hier sind die alten Muster absolut präsent. Hier sind unsere Wurzeln, aus denen wir glauben, herausgewachsen zu sein. Manchmal ist es schmerzlich, sich seiner Wurzeln bewusst zu werden. Und oft tut es gut, das Leid, das wir dabei empfinden, zu erforschen und einen versöhnlichen Blick darauf zu werfen.

Versöhne dich mit deinen Triggern

Denn darum geht es schließlich: versöhnlich und gelassener zu werden, indem wir Ursachenforschung betreiben. Mit einem liebevollen Blick können wir hinter den Spiegel schauen, der uns in unseren Triggermomenten vor die Nase gehalten wird. Es gilt also zu verstehen, warum wir auf die entsprechende Situation reagieren. Nur wie? Auch das muss wohl jeder für sich selbst herausfinden. Für mich persönlich gibt es zwei sehr gute und von mir erprobte Methoden – das Schreiben und das Yogaüben.

Schreib‘ auf, was dich bewegt!

Zunächst zum Schreiben: Mir persönlich hilft es, wenn ich meine Gefühle aufschreibe – v.a. dann, wenn es um Gefühle geht, die ich selbst nicht so ganz verstehe. Dafür nutze ich eine Art Tagebuch und ich tue das am liebsten vor dem Einschlafen. Denn es tut gut, mit einem reinen Herzen ins Bett zu gehen, sich quasi die Lasten von der Seele zu schreiben, Reaktionen zu hinterfragen. Beim Schreiben treten manchmal Lösungen zutage, an dich ich spontan nicht gedacht habe. Und ich söhne mich schriftlich mit meinen Ärgernissen aus.

Yoga üben heißt nach innen schauen

Eine regelmäßige Yogapraxis führt nachweislich zu mehr Gelassenheit und Ruhe. Trigger verlieren deutlich an Einfluss. Denn das, was wir beim Yoga üben, ist die Innenschau – das genaue Hinschauen auf unsere eigenen Begrenzungen, auf die Muster unserer Handlungen, auf unsere Beziehung zu uns selbst. Yoga ist ein fantastisches Instrument, um sich die eigenen Trigger bewusst zu machen. Dafür muss man aber regelmäßig üben, damit man über das rein körperliche Asana-Üben hinauskommt.

Herabschauender Hund
Foto von Sapna Richter

Positive Trigger darfst du suchen: der Madeleine-Effekt

Zum Schluss möchte ich die positiven Trigger nicht unerwähnt lassen, also die Momente, Erlebnisse oder Dinge, die bei uns positive Reaktionen hervorrufen. Marcel Proust hat in seiner Recherche (Auf der Suche nach der verlorenen Zeit) einen solchen Trigger beschrieben und damit die Madeleine weltberühmt gemacht. Für ihn hat der Geschmack dieses typisch französischen Gebäcks eine ganze Welt an Erinnerungen auferstehen und in seinem Roman lebendig werden lassen. Und wir kennen das alle!

Dies funktioniert nicht nur bei Verkostungen, auch Musik, ein bestimmter Ort oder ein Bild können Glücksgefühle und Erinnerungen auslösen und diese Gefühle können nährend und entspannend sein. Natürlich gilt dies umgekehrt auch für negative Erinnerungen, aber über diese Triggermomente habe ich ja schon oben geschrieben. Mit Hilfe der schönen, für uns positiv besetzten Triggern können wir uns für eine kurze Zeit quasi selbst in den Urlaub schicken und Glücksgefühle aufleben lassen. Und das sollten wir auch tun. In diesem Sinne: Geht sie suchen, eure Trigger – die negativen wie die positiven!

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Fotos: Ute Freundl und Sapna Richter

2 Gedanken zu “Trigger: Was triggert dich und wie gehst du damit um?”

  1. Liebe Ute, so toll geschrieben. Danke! Ich habe einen Trigger den ich seit Jahren nicht auflösen kann. Ich ärgere mich massiv über Menschen die ignorant sind. Die absichtlich Umwelt zerstören. Z. B. auch über SUV Fahrer. Habt ihr dazu einen Tipp? LG und weiter so. Elena

    • DANKE, liebe Elena. Ja, das geht mir mit den SUV-Gefährten auch so. Man kann nur mit gutem Beispiel voran „gehen oder Rad fahren“ 🙂

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