Yoga und Beruf

Yogi inside

… oder wie man versuchen kann, auch im Beruf eine yogische Gesinnung zu behalten. Es ist die schwierigste Übung überhaupt, Yoga und Beruf zu verbinden und all die gute Energie, die wir auf der Matte spüren, in den Alltag mitzunehmen. „On the mat“ ist alles gut, aber was wenn wir das „off the mat“ nicht so gut hinkriegen? Was, wenn wir doch wieder ungeduldig sind – sei es mit unseren Kindern, sei es mit unseren Kunden oder einfach mit unseren Mitmenschen? Menschlich ist das durchaus. Aber auch hier heißt es: „Practice and everything will come“.

Nicht einfach, aber es geht ja ums Üben, und wir bekommen auch genug Gelegenheiten täglich! Ich versuche, mir das vor Augen zu halten, wenn ich mich heute über eine Kundin ärgere, die mich mit zwei E-Mail-Anschreiben beauftragt hat. Es sollte schnell gehen – wie immer – und ich habe auch schnell geliefert. Den Text fand sie gut, und auf meine Frage hin, sagte sie mir, dass ich ihr die Rechnung schicken solle. Das war vor gut zwei Monaten. Seitdem – nichts mehr von ihr gehört. Alle Telefonnummern laufen ins Leere – die Rechnung bleibt natürlich unbezahlt.

Tja, was soll man machen? Der Aufwand, ein Mahnverfahren anzustoßen, ist nicht gerechtfertigt, wenn ich mir die ausstehende Summe betrachte. Also atme ich meinen Ärger weg und bin froh, dass die Kosten nicht zu hoch sind. Soll ich in Zukunft bei Kunden, deren Geschäft noch nicht so gut etabliert ist, Vorkasse verlangen? Damit begegne ich neuen Aufträgen doch gleich mit Misstrauen! Und dagegen sprechen all die positiven Erfahrungen mit jungen Unternehmern, die ich schon machen durfte. Mehr auf meine Intuition hören? Auch schwierig. Ich nehme es als Erfahrung, atme und schreibe weiter…

 

Foto: Ute Freundl

2 Gedanken zu “Yoga und Beruf”

  1. Die Situation kenne ich, und auch bin hin und her gerissen. Die „Klein-Kunden“-Projekte machen oft besonders viel Spaß. Formulierungen sind nicht schon x-fach vorgeschrieben, man kann und darf kreativ aus dem Vollen schöpfen. Ich hänge mich da meistens dann ganz besonders rein, eben weil ich diese Freiheit habe, die ich bei einem Newsletter, den ich seit 5 Jahren schreibe, nicht mehr spüre. Schließlich weiß ich in solchen Fällen ja schon, was dem Kunden gefällt und was nicht – und der Kunde schätzt meinen Stil, weiß, welchen Input ich benötige und vertraut auf mein Können. Ganz anders bei jungen Unternehmern, die 1. oft wenig bis kein Marketing-Know-how haben, 2. keine Textprofis sind (sonst würden sie bei uns nicht anfragen) und 3. oft noch ganz unsicher sind, wie sie sich überhaupt präsentieren wollen. Und da knirscht es nach den ersten Texten oft gewaltig. Oder sie sind im Nachhinein trotz KVA erstaunt, wie teuer „so ein bisschen Korrektorat“ (so erlebt – die Texte waren komplett neu geschrieben1!!) doch ist und zahlen dann erst nach mehrfacher Aufforderung und unter großem Murren. Inzwischen habe ich da ein Selbst-Achtsamkeitsglöckchen in meinem Kopf, das schlägt an, wenn wieder mal ein Frischunternehmer anklopft. Und dann wäge ich genau ab: Habe ich emotionale und zeitliche Kapazitäten für „Sand im Getriebe“? Bringt das Projekt wirklich Spaß – berührt es mich persönlich (Lustfaktor)? Wie hoch muss mein Stundensatz sein, damit der unberechenbare Zusatzaufwand ggf. auch wirtschaftlich vertretbar ist? Und dann sage ich zu – oder eben auch immer öfter ab.

    • Ja, das sehe ich auch so… Witzigerweise habe ich vor ein paar Tagen auf einmal den ausstehenden Betrag auf dem Konto gehabt! Ein Weihnachtsgeschenk?

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