Yoga ist gesund – das sagt auch die Wissenschaft

Yoga ist gesund – das ist allgemein bekannt, aber auch intensiv erfoscht und wissenschaftlich bewiesen: In meinem Artikel für das Reader’s Digest-Buch „Das Neueste aus der Medizin 2021/2022“ (ISBN 978-3-95619-429-0) habe ich die positiven Auswirkungen auf die Gesundheit zusammengefasst und zu diesem Thema medizinische und yogische Fachleute befragt – u.a. Dr. Holger Cramer, den Forschungsleiter an der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin der Evang. Kliniken Essen-Mitte, Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen. Zur yogischen Sicht hat mir Michael Forbes ein kleines Interview gegeben. Michael leitet zusammen mit Margareta Eckl das Iyengar-Studio iYoga in München und ich schätze ihn als meinen Lehrer. Ein früheres Interview mit Michael findet ihr hier: Interview mit Michael Forbes.

Yoga wissenschaftlich erforscht

Der Blick auf die Wissenschaft zeigt, dass über Yoga und seine Auswirkungen auf die Gesundheit intensiv geforscht wird. Insbesondere in den USA sind sehr viele Studien durchgeführt worden, die den Yoga aus seiner ursprünglich esoterischen Nische herausgeholt haben. Die erste bahnbrechende Studie, die harten, wissenschaftlichen Kriterien standhalten konnte, wurde 2005 publiziert: Karen J. Sherman vom Center for Health Studies in Seattle hat gezeigt, dass Yoga bei chronischen Rückenschmerzen helfen kann. Die 101 Patient*innen wurden in drei Gruppen unterteilt. Nach zwölf Wochen Üben hatte die Yoga-Gruppe signifikant weniger Schmerzen als die Patient*innen, die mit Hilfe von Selbsthilfebüchern geübt hatten. Und genauso starke wie die, die konventionelle Nackenübungen gemacht hatten. Dieses Ergebnis konnte bei einer zweiten Befragung nach 26 Wochen bestätigt werden. Inzwischen haben hunderte klinischer Studien gezeigt, dass Yoga bei verschiedenen Krankheitsbildern helfen kann und zum Teil sogar die konventionellen Therapien in den Schatten stellt.

Yoga ist gesund

Robert Saper von der Boston Medical School hat 2017 in einer sogenannten Nicht-Unterlegenheitsstudie herausgefunden, dass Yoga bei Rückenschmerzen eine ebenbürtige Alternative zur klassischen Physiotherapie sein kann. Die Studie bestätigt die Arbeit von Karen Sherman und festigt Yoga als wirkungsvolle und ebenbürtige Alternative zur klassischen Physiotherapie. Yoga wurde in die Nationale VersorgungsLeitlinie aufgenommen und zur Behandlung von Rückenschmerzen empfohlen. Patient*innen können demnach entscheiden, welche Therapie zu ihnen passt – Yoga steht neben anderen Bewegungsformen zur Wahl. Dabei scheint es die besondere Kombination aus Atem- und Körperübungen zu sein, die für die positiven Effekte von Yoga verantwortlich ist – und für die veränderte Körperwahrnehmung, die mit einer regelmäßigen Yogapraxis einhergeht.

Yoga wirkt nachweislich gegen Bluthochdruck

Laut Studien wirkt Yoga gegen Bluthochdruck– zum Teil sogar effektiver als Sport und vergleichbar mit der Wirkung von blutdrucksenkenden Medikamenten. Bei der Behandlung von Rücken- oder Nackenschmerzen steht insbesondere der Bewegungsaspekt von Yoga im Vordergrund. Bei der Hypertonie ist es vor allem die Meditations- und Atempraxis, die Veränderung bewirkt: Dies hat ein Vergleich unterschiedlicher Yoga-Stile ergeben. Insgesamt sind es die Atem- und Meditationsübungen, die das vegetative Nervensystem zu harmonisieren scheinen: Offenbar wird die Ausschüttung des Botenstoffs Gamma-Aminobuttersäure angeregt, der die Aktivität des Nervensystems herunterreguliert und den Pegel des Stresshormons Kortisol sinken lässt. Aktuelle Studien haben ergeben, dass Yoga bei Bluthochdruck kurzfristig ohne die Körperübungen besser wirkt, mittelfristig aber in Kombination mit den Asanas dafür sorgt, dass die positiven Effekte gehalten werden.

Mit dem Stresskiller Yoga gegen Krankheiten

Stress ist eine Ursache für viele Zivilisationskrankheiten wie Rückenleiden, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Burn-out, Schlafstörungen, Spannungskopfschmerzen, Wechseljahresbeschwerden oder Depressionen. Man schätzt, dass chronischer Stress bei bis zu 80 Prozent aller Krankheiten beteiligt ist. Studien haben gezeigt, dass Yoga Stress deutlich reduzieren kann – insbesondere durch seinen Einfluss auf das vegetative Nervensystem – siehe oben. „Für die Atemübungen gilt, dass sie den wohl direktesten Zugriff auf die vegetativen Steuerungssysteme des Menschen erlauben“: So zitiert der Neurowissenschaftler Ulrich Ott den Mediziner Martin Soder in seinem Buch „Yoga für Skeptiker“ (Ott, 2020, S. 252). Dieser Zugriff auf das Nervensystem passiert über die Regulierung der oben erwähnten Gamma-Aminobuttersäure. Dadurch erklärt sich auch der positive Effekt von Yoga bei Depressionen: Regelmäßiges Üben wirkt ähnlich wie ein Antidepressivum – indem vermehrt sogenannte Monoamine ins Gehirn gelangen, die depressiven Zuständen entgegenwirken.

In einer US-amerikanischen Studie konnte gezeigt werden, dass nach einer achtwöchigen Yoga-Praxis die depressiven Beschwerden bei zwei von drei Teilnehmer*innen um die Hälfte gesunken sind. Dabei gilt zu beachten, dass nur leichte Krankheitsbilder erforscht wurden und eine Yogatherapie in keinem Fall die medizinische Hilfe oder eine Psychotherapie ersetzen kann. Ähnliche Befunde ergaben Metaanalysen zum Einfluss von Yoga und Meditation auf Angststörungen: Auch hier zeigt Yoga eine deutliche Wirkung, die zum Teil anderen Methoden überlegen ist. Diese positiven Effekte hat sogar die Aufmerksamkeit des US-Militärs erreicht: In Studien konnte gezeigt werden, dass Soldat*innen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung durch eine regelmäßige Yogapraxis ihre traumatischen Erlebnisse besser verarbeiten und ihre Ängste überwinden konnten. Nach einigen Monaten gelang es ihnen, ihren Alltag deutlich geregelter und entspannter zu gestalten.

Yoga als Weg zur inneren Freiheit

Yoga ist ursprünglich ein vor vielen Jahrhunderten von indischen Gelehrten entwickeltes philosophisches System, um einen Zustand spiritueller Erleuchtung zu erlangen. Das Sanskrit-Wort „yoga“ wird meist mit „Vereinigung“ oder auch mit „Joch“ übersetzt und in der Bedeutung von „Einheit von Körper und Geist“ verwendet: Ziel von Yoga ist es, mithilfe von körperlichen und geistigen Übungen spirituelle Erleuchtung zu erreichen, in der sich das Bewusstsein der Übenden mit dem göttlichen Prinzip vereinigt – Yoga soll so zur inneren Freiheit führen. Im Hatha-Yoga werden Asanas (Yoga-Stellungen), Pranayama (Atemübungen), Tiefenentspannung und Meditation geübt. Die Übenden sollen dies mit einer positiven Grundeinstellung tun und darüber hinaus ein körperlich und geistig gesundes Leben führen. Dieses Zusammenspiel aus Bewegung, Atmung, Meditation und bewusster Lebensführung erklärt die gesundheitlichen Vorteile, die mit einer regelmäßigen Yogapraxis einhergehen – und letztlich die Popularität, die Yoga auf der ganzen Welt erfahren hat.

Mit Yoga besser altern

Yoga ist nicht nur für flexible und fitte Menschen geeignet: Yoga hält den Körper fit und den Geist agil – ist also durchaus für ältere Menschen geeignet. Voraussetzung ist natürlich, dass altersgerecht und mit einer guten Anleitung geübt wird. Denn auch im Yoga gibt es eine Verletzungsgefahr – wie in allen Sportarten. Aber in der Regel sind die Verletzungen nicht schwerwiegend und heilen von selbst wieder aus. Bei Vorerkrankungen wie z. B. einem Bandscheibenvorfall sollte allerdings mit einem Arzt Rücksprache gehalten werden. Vorsicht ist beim Glaukom geboten – hier sollten Umkehrhaltungen wie der Schulter- oder auch der Kopfstand gemieden werden: Bei diesen Haltungen ist der Kopf der tiefste Punkt des Körpers. Dadurch wird der Augeninnendruck erhöht, was beim Glaukom gefährlich ist. Dies ist aber auch die einzige echte Kontraindikation im Yoga.

Frisch im Geist bleiben – mit Yoga und Meditation

In Studien wurde herausgefunden, dass Yoga die sogenannte fluide Intelligenz erhält: Sie wird für das Lösen neuer Aufgaben benötigt und nimmt mit dem Alter ab. Forscher*innen haben herausgefunden, dass eine regelmäßige Yoga- und Meditationspraxis die negativen Effekte der Alterung auf unsere Intelligenz verringern kann. Und überhaupt gibt es spannende Befunde im psychischen Bereich: Die Neurowissenschaftlerin Britta Hölzel hat gezeigt, dass Achtsamkeitsmeditation die Hirnstruktur messbar verändern kann: Im Hippocampus, der Hirnregion, die für Gedächtnis- und Lernprozesse, Gefühls- und Stressregulation zuständig ist, lässt sich eine Zunahme der grauen Substanz beobachten. Dies erklärt auch, dass sich Personen, die regelmäßig meditieren, stressresistenter fühlen. All diese Erkenntnisse setzen sich in der Medizin mehr und mehr durch. So gelten Yoga und Meditation, neben Achtsamkeit, Akupunktur u.a. als Verfahren der Mind-Body-Medizin, die immer mehr standardisierte Programme entwickelt: Diese werden als Begleitung für schulmedizinische Therapien eingesetzt – z.B. bei Krebs, rheumatischen Erkrankungen, Schmerzsyndromen wie Migräne oder koronaren Herzerkrankungen.

Yoga auf Rezept

Yogakurse werden von den meisten Krankenkassen als Maßnahme anerkannt, um körperliche und psychische Spannungen abzubauen und die Gesundheit zu fördern. Im Rahmen des Gesetzes zur Primärprävention hat der Spitzenverband der Krankenkassen einen „Leitfaden Prävention“ entwickelt, in dem Vorsorgemaßnahmen zur Erhaltung der Lebensqualität und Leistungsfähigkeit der Versicherten gelistet sind. Über die Plattformen der Krankenkassen können Kurse zu festgelegten Präventionsbereichen, wie Bewegung oder Entspannung, gefunden werden. Yogakurse gehören laut den Richtlinien zu den Entspannungsverfahren, die aufgrund ihrer nachgewiesenen Wirksamkeit unterstützt werden. Insgesamt acht bis zwölf Kurseinheiten pro Jahr und Patient*in werden teilweise oder komplett von den Kassen finanziert. Der Schwerpunkt der Präventionskurse liegt auf sanften Übungen in den Grundhaltungen – Stehen, Knien, Sitzen, Liegen – die keine größere Beweglichkeit voraussetzen, um ausgeführt werden zu können. Im Yoga geht es schließlich nicht um Leistung, sondern um eine sanfte Auslotung der eigenen Grenzen – und um beharrliches Üben.

Was ist eure Meinung darüber, wie gesund Yoga ist? Welche Erfahrungen habt ihr mit Yoga gemacht? Ich freue mich über Kommentare und den Austausch!

Foto: Sapna Richter

 

 

 

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