Kommunikationsunterschiede bei Frauen und Männern

Was will er ihr sagen?

Kommunikationsunterschiede bei Frauen und Männern sind immens. Im Job kann das zu ständigen Konflikten führen. Das Verhalten des Gegenübers zu verstehen, kann der Anfang einer Lösung sein. Für die LTO Online habe ich zu diesem Thema recherchiert und die Expert*innen befragt. Das Ergebnis ist nicht nur für junge Juristinnen und Juristen interessant – den gesamten Artikel findet ihr hier: Was will er ihr sagen?

Dass die Unterschiede in der Kommunikation zwischen Frauen und Männern groß sind, wissen wir spätestens seit Deborah Tannen und ihrem wegweisenden Werk: „Du kannst mich einfach nicht verstehen. Warum Männer und Frauen aneinander vorbeireden“.

Kurz zusammengefasst: Wenn Frauen kommunizieren, treten sie sprachlich in Beziehung zu ihren Gesprächspartnern, sie bleiben selbstkritisch, ihre Sprache ist wortreicher und emotionaler als die ihrer männlichen Gegenüber, sie suchen Harmonie im Gespräch und unterstützen den Dialog. Frauen hören hörbar zu, indem sie das Gesagte durch ihre Haltung kommentieren, sie nutzen mehr sprachliche Weichmacher wie z.B. Konjunktivformen, reden mit einer höheren Stimme und schneller, was von Männern gern als Unsicherheit ausgelegt wird.

Männer dagegen nutzen Sprache zur konstruktiven Lösungsfindung, sind faktenorientierter und verwenden abstraktere Wörter. Sie setzen Sprache als Machtinstrument ein. Erfolgsdenken prägt ihre gesamte Kommunikation, inklusive Körpersprache und Stimmgebung. Während Frauen häufig an das Gesagte anknüpfen, springen Männer gern zu dem Thema, mit dem sie sich positionieren wollen – was von Frauen wiederum als unhöflich empfunden wird.

Unconscious Bias prägen unser Verhalten

Zu diesen Unterschieden in der Kommunikation kommen unbewusste Denkmuster, die unser Verhalten prägen. Diese Rollenbilder führen leider auch im Job immer wieder zu mangelndem Verständnis für das andere Geschlecht. Ein Beispiel hierfür durfte die Welt Anfang des Jahres erleben: Im Februar musste der japanische Präsident des Vorbereitungskomitees für die Olympischen Spiele in Tokio, Yoshiro Mori, seinen Rücktritt ankündigen, nachdem er sich abfällig über Frauen geäußert hat: Vorstandssitzungen mit Frauen würden sich in die Länge ziehen, „weil die miteinander konkurrierenden Frauen alle sprechen wollten.“

Dieser Vorfall zeigt, wie stark Rollenbilder unsere Kommunikation und unser Verhalten beeinflussen und wie wenig gegenseitiges Verständnis besteht. Wenn wir aber versuchen, die Unterschiede in der Kommunikation von Frauen und Männern richtig zu interpretieren, lernen wir, uns besser zu verstehen.

Wie aber können wir diese Unterschiede überbrücken?

Cristina Muderlak ist seit ca. 20 Jahren als Coach, Beraterin und Trainerin im oberen und mittleren Management tätig. Ihr Leitspruch: „Frauen und Männer sind nicht gleich. Sie sind gleichwertig“. Sie plädiert dafür, dass Frauen sich auf die sprachlich schwächeren männlichen Gesprächspartner einstellen, um sicherzustellen, dass sie verstanden werden! Denn zunächst sind die Frauen mit ihrem ausgeprägten und komplexeren Sprachvermögen den Männern überlegen. Männer erleben „Frauensprache“ oft als umständlich und uneindeutig. Um Überlegenheit und Führungswillen zu demonstrieren, nutzen diese stattdessen ihre dunklere und lautere Stimme, setzen auf strategische Betonung und klare Statements. Bei Frauen ist der Führungswillen oft nicht eindeutig – oder zumindest für die Männer nicht erkennbar: „Frauen beziehen sich gern auf andere und wägen ab, Männer stellen die Dinge einfach mal in den Raum“, so Cristina Muderlak.

Auf die Zwischentöne kommt es an

Es braucht aber beides zur richtigen Zeit, meint Muderlak. Für die Männer heißt das, den Nutzen einer komplexeren, weiblichen Kommunikation zu erkennen, während Frauen in männlicher Umgebung mehr Präsenz und Mut zur Eindeutigkeit zeigen sollten. Insgesamt möchte sie weg von der gegenseitig abwertenden Nomenklatur, hin zur Wertschätzung der Unterschiedlichkeit. Dies sollte sich auch in Kommunikationstrainings wiederfinden, die bisher überwiegend auf männliche Kommunikationsformen reduziert sind. Je bewusster wir uns der unterschiedlichen Sprachmuster sind, desto besser kann Kommunikation gelingen.

Ihre Tipps für Frauen: In der Kommunikation in männlich dominierten Runden nicht zu höflich sein, die Konjunktive weglassen, klare Aussagen treffen. Männer unterbrechen gern, um ihr Thema auf den Tisch zu bringen. Frauen sollen dann nicht zurückstecken, sondern konsequent auf ihren Standpunkt verweisen und ihn mit Wiederholungen betonen. So finden sie mehr Gehör.

Der Körper spricht mit!

Mit Körpersprache kennt sich Stefan Verra bestens aus. Er ist Körpersprache-Experte und Gastvortragender verschiedener Universitäten, Universitätskliniken, sowie Regierungsorganisationen wie der NATO. In seinem letzten Buch „Die Körpersprache der Mächtigen -Leithammel sind auch nur Menschen“ hat der Bestsellerautor die Körpersprache von sieben Weltpolitikern analysiert.

Verra konzentriert sich auf den menschlichen Körper, „der gar nichts sagt, aber umso mehr spricht und das auch noch entwaffnend ehrlich.“ Er betont, wie wichtig die Rolle der Körpersprache in der Kommunikation ist: „Wenn ein Anwalt meint, er könne einen Prozess allein durch Inhalte gewinnen, irrt er gewaltig“, so Stefan Verra – was natürlich auch für die Anwältinnen gilt. Damit macht Verra deutlich, dass es beim Thema Kommunikation nicht nur um verbale Kommunikationsunterschiede geht, sondern auch um den Einsatz von Gestik, Mimik, Lautstärke, Stimmfrequenz, Sprechgeschwindigkeit, etc. – also um non verbale Kommunikation.

Sein Tipp: Versuchen, die körpersprachlichen Befindlichkeiten im Raum wahrnehmen – ganz gleich, ob wir uns in einem Meeting oder in einem Beziehungsgespräch befinden. Denn nur, wenn wir diese objektiv wahrnehmen, können wir darauf eingehen – stets in dem Bewusstsein, dass alles, was wir tun, Wirkung zeigt – so Verra. Ein paar Tricks dabei lassen sich erlernen – so etwa der, wie er es nennt, spezielle „Putinblick“, um Druck aufzubauen. Mehr von seinen Tipps und Tricks findet man zum Beispiel auf seinem Instagram– oder YouTube-Account.

Was sind eure Erfahrungen in Bezug auf die Unterschiede in der Kommunikation bei Frauen und Männern? Ich freue mich auf eure Kommentare! Einen früheren Artikle für LTO Online zum Thema Stressmanagement findet ihr hier: Stressiger Berufseinstieg

Foto: LTO Online

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