#fragdietexterin: Julie Fellmann – Autorin und Yogini – im Interview

Julie Fellmann ist Journalistin, Germanistin, Produzentin, Dramaturgin – vor allem aber Autorin. In ihren Werken setzt sie sich mit den Dramen des Lebens auseinander. Ich habe sie als Lebenskünstlerin erlebt, die Familie und Beruf wuppt, Erfolg hat und trotzdem die Zeit findet, bei sich zu sein. Mit Yoga? Das wollte ich von ihr erfahren! Julie lebt mit ihrem Mann, dem Musiker Mulo Francel und ihren beiden Kindern in Baierbrunn bei München. Mehr über Julie: www.juliefellmann.de  und ihre Agentur: www.writersanddirectors.de

Textyogi: Julie, bitte erzähle uns, wie du zu deinem Beruf gekommen bist.

Julie: Schreiben wollte ich schon immer. Als ich zehn war, waren es Gedichte. Meinen ersten Roman – der ein Fragment geblieben ist – habe ich dann mit zwanzig begonnen. Als ich während meines Germanistikstudiums nebenher Geld verdienen musste, bin ich beim Fernsehen gelandet. Anfangs habe ich nur Quizfragen geschrieben, was ein Heidenspaß war. Heute schreibe ich Romane und Drehbücher für Serien und Filme. Für mich der schönste Beruf der Welt!

 Schreiben – der schönste Beruf der Welt

Textyogi: Wie bist du dazu gekommen, Bücher zu schreiben?

Julie: Ich schreie immer erstmal „Ja“ und schalte danach mein Hirn ein. So war es auch, als mich ein befreundeter Verleger fragte, ob ich einen Roman für seine Krimireihe schreiben möchte. Schon stand die Ankündigung meines Buches in seinem Katalog und es gab kein Entkommen mehr. Schreiben ist ja ein selbstständiger Beruf, bei dem man sich immer wieder motivieren muss und da helfen Abgabetermine schon sehr.

Textyogi: Wann und warum hast du mit Yoga angefangen?

Julie: Meinen ersten Yogakurs habe ich während des Studiums gemacht. Eine Freundin hatte mir das zum Geburtstag geschenkt und ich habe sofort gemerkt: Das ist was für mich! Ich war nie so sehr die Aerobic-Rumhüpferin, Yoga hingegen tut nicht nur meinem Körper gut (ich sitze ja viel am Schreibtisch), sondern auch meinem unruhigen Geist. In mir jagen ständig tausend Gedanken herum – und da genieße ich diese 1,5 Stunden komplettes Abschalten umso mehr.

Während meiner Schwangerschaften habe ich dann wieder nach einer längeren Pause mit Yoga angefangen, weil mich die klassische Schwangerschaftsgymnastik gelangweilt hat. Seither bin ich dabei – nicht oft, aber ganz regelmäßig, einmal die Woche, seit etwa 15 Jahren. Auch hier ist es wie beim Schreiben: Ich brauche eine feste Stunde, um mich zu disziplinieren. Zuhause mache ich zwar zwischendurch ein paar Übungen, aber so richtig reinhängen kann ich mich besser im Studio, wo eine konzentrierte Atmosphäre herrscht.

Textyogi: Welche Bedeutung hat für dich deine Yogapraxis? Woher ziehst du deine Ideen, deine Kreativität?

Julie: Yoga hat für mich zwei wesentliche Bedeutungen: Es stärkt meinen Rücken, der nach langen Schreibsitzungen einfach schmerzt. Und es fährt mich runter, denn ich bin von Natur aus eher umtriebig und ungeduldig.

Ruhe für den umtriebigen Geist

Oft werde ich gefragt, wo ich meine Ideen her nehme. Ideen sind nicht das Problem, davon wimmelt es nur so in meinem Kopf. Wichtiger ist das Handwerk, wie bei jedem Beruf. Nicht jede gute Idee wird eine gute Geschichte. Das Know-how habe ich in meinem Germanistik-Studium gelernt, aber auch die Arbeit als Produzentin und Dramaturgin beim Fernsehen hat mich sehr voran gebracht. Ich hatte einen tollen Chef, der mir das Krimihandwerk beigebracht hat. Aus seinen Lehren schöpfe ich bis heute.

Yoga verstehe ich eher als Kreativpause, um Kraft zu sammeln, Ruhe zu finden, mich zu sortieren und wirklich mal etwas nur für mich zu machen.

Yoga als Kraftquelle, um etwas für sich zu tun

Textyogi: Als Wortwerkerin arbeitest du oft allein mit dir und deinen Worten am Schreibtisch. Siehst du hier eine Verbindung zum Yoga?

Julie: Die Verbindung liegt in der Mobilisierung der eigenen Kräfte. Ob das nun Worte sind, Ideen, Gefühle – beim Schreiben wie beim Yoga ist man ganz bei sich selbst. Man möchte nicht gestört werden, man versinkt in einer eigenen Welt und im besten Falle merkt man die Anstrengung, die dahinter steckt erst, wenn man aus dieser Welt wieder auftaucht.

Textyogi: Was trifft eher auf dich zu: die Komikerin oder die Dramatikerin?

Julie: Beides, denn diese zwei Begriffe sind nicht zu trennen. Eine gute Komödie braucht dramatisches Potential, sonst verpufft sie. Eine gute Tragödie verliert durch gekonnt gesetzte Pointen nichts von ihrer Dramatik, im Gegenteil. Letztlich sind es immer die gleichen Fragen, die man sich beim Schreiben einer Geschichte stellt: Was sind die größten Sehnsüchte einer Figur, was ihre Ängste? Und genau das, was diese Figur auf keinen Fall möchte, wird ihr natürlich widerfahren. Egal, ob der Stoff nun lustig oder tragisch erzählt wird.

Am meisten Spaß machen mir die Dialoge, denn da muss jedes Wort sitzen. Langatmige Beschreibungen von Landschaften oder Räumen sind nicht so mein Ding, weshalb mir die Drehbucharbeit sehr entgegen kommt – da kann ich das getrost der Phantasie des Regisseurs überlassen und mich ganz auf die Handlung konzentrieren.

Textyogi: Du bist auch viel auf Achse mit deinem Mann Mulo und seiner Musikband Quadro Nuevo. Wie anstrengend ist es, mit einem Musiker zusammen zu leben? Wo findest du Entspannung?

Julie: Unterwegs zu sein, in ferne Länder zu reisen – das hat mir immer schon gefallen. Ich begleite meinen Mann auch gern auf ausgewählte Touren, was natürlich einfacher war, bevor wir Kinder hatten.

Musik hat in meinem Leben immer schon eine große Rolle gespielt, denn auch meine Mutter ist Musikerin. Umgekehrt beschäftigt sich mein Mann viel mit Texten, denn auch daraus zieht er eine Inspiration für seine Musik. Daher haben wir einen sehr regen inhaltlichen Austausch und das Glück, uns beide intensiv für den Beruf des anderen zu interessieren. Daher finde ich das Zusammenleben spannend. Nur als die Kinder klein waren, habe ich sehr darunter gelitten, dass mein Mann so viel weg war. Mittlerweile bin ich selber so beschäftigt, da bin ich manchmal ganz froh um ein paar Tage Ruhe (schmunzelt).

Entspannung gönne ich mir nur selten. Aber wenn ich so darüber nachdenke, dann fällt mir die End-Entspannung ein. In diesen paar Minuten bin ich wirklich tiefenentspannt. Und wenn ich am Meer liege …

Textyogi: Bücher zu schreiben ist mit viel Disziplin verbunden – wie schaffst du das neben deiner Familie – was treibt dich an und welchen Schreibrhythmus hast du?

Julie: Dank meiner vielen Abgabetermine, bin ich ziemlich diszipliniert. Dieses Jahr wurden fünf Drehbücher von mir verfilmt, das war mit sehr viel Arbeit verbunden. Ich stehe morgens um 6.30 Uhr mit den Kindern auf, tapse auf die Couch, klappe meinen Laptop auf und gebe nebenher ein paar Anweisungen. Der Vorteil ist, dass ich mich nicht fürs Büro herrichten muss. Wenn ich meine erste Kreativpause brauche, stell ich mich unter die Dusche. Mittags bin ich dann für die Kinder da, die immer viel von ihrem Tag zu erzählen haben. Nachmittags verziehe ich mich wieder an meinen Schreibtisch, bin aber immer ansprechbar. Nur abends arbeite ich ungern, weil mich die Texte, die Figuren, die Dialoge bis in den Schlaf verfolgen und ich dann noch zehnmal aufstehe und den Computer anschmeiße. Das mache ich dann nur, wenn ich kurz vor einer Abgabe stehe und es brennt.

Textyogi: Was sind deine Pläne für die kommenden zehn Jahre?

Julie: Ich hoffe, dass ich auch noch in zehn Jahren schreiben werde. Derzeit schreibe ich nur Drehbücher, weil ich dank meiner großartigen Agentin einfach so gut im Geschäft bin. Aber ich möchte auch wieder einen Roman schreiben. Keinen Krimi diesmal, sondern einen Roman über meine Großmutter. Sie hat in Cannes in einem sehr illustren Viertel gelebt, mit vielen interessanten, teilweise gestrandeten Menschen, die alle eine spannende Biographie haben. In diesem Viertel habe ich alle Sommerurlaube meiner Kindheit verbracht, diese Menschen habe ich alle kennengelernt. Dieser Stoff wirkt ständig in mir und wenn ich eines Tages etwas mehr Luft habe, schreibe ich meinen großen Cannes-Roman. Vielleicht erscheint er ja in zehn Jahren …

Textyogi: Darauf bin ich sehr gespannt. Vielen Dank für das Interview!

 

Foto: Julie Fellmann

Schreibe einen Kommentar