Loslassen und lässiger leben: Buchrezension

Ein Buch über das Loslassen von Heide Liebmann: Loslassen. Wie Du echte emotionale Freiheit gewinnst, – da habe ich als Yogini aufgehorcht. Noch dazu steht im Fazit – ja, ich gebe es zu, ich lese v.a. bei Sachbüchern gern erst einmal das Resümee – dass wir unsere Realität in weiten Teilen selbst gestalten, dass das Loslassen ein Prozess sei und der Übung bedarf: Tja, und damit war klar: Das interessiert mich richtig – und zwar in Bezug auf die Yogaphilosophie, die genau diese Dinge lehrt. Wie die Autorin den Bezug zum Thema Coaching knüpft, das wollte ich natürlich auch wissen, denn Heide Liebmann ist „Potenzialdetektivin, Coach und Autorin und hat inzwischen rund 17 Jahre Erfahrung damit, Potenziale aufzuspüren und Menschen in ihre wahre Größe zu bringen“ (Loslassen, S. 154). Ich bin nicht enttäuscht worden: Wenn es um das Loslassen geht, müssen wir uns nicht auf einen Bereich beschränken, warum sollten wir auch. Schließlich ist es sinnvoll, in jeglicher Hinsicht – privat wie beruflich – freier in unseren Entscheidungen zu werden – denn das ist das Ziel des Prozesses – bei Heide Liebmann wie auch in der Yogaphilosophie: Es geht um Freiheit.

Loslassen, ja – aber bitte methodisch!

Nun gibt es schon eine Menge Ratgeber zu dem großen Thema Loslassen mit Titeln wie Das kleine Buch vom Loslassen, Loslassen und Neustarten, Loslassen und sich selber finden, Lass los! Flieg los!, Das lasse ich hinter mir, etc., etc. – die Liste ist wirklich sehr lang. Aber das, was das Buch von Heide Liebmann m.E. zu etwas Besonderem macht, ist ein sehr pragmatische und gut gegliederte Methodensammlung zu den folgenden Problemfeldern: Neben einer Gruppe von Methoden, die immer helfen, stellt sie spezielle Methoden zum Loslassen von Stress und Anspannung vor, von Erwartungen, von Träumen, sowie Methoden, um das alte Selbstbild loszulassen, Perfektionismus und Kontrolle, Scham und Schuldgefühle, Trauer und Trennungsschmerz, sowie belastende Erinnerungen aus der Vergangenheit.

Es sind also insgesamt neun Bereiche, für die sie unterschiedliche Lösungen vorstellt. Das allein ist schon eine beachtliche Auswahl. Um hier den Überblick zu behalten, hat sie eine Matrix entwickelt, die alle Methoden und wobei sie helfen, abbildet. Diese Idee gefällt mir gut, einziger Nachteil: In der Printausgabe, die mir vorliegt, ist die Matrix sehr klein – das würde ich mir größer wünschen.

Warum ist das Loslassen so schwer?

Zu Beginn erklärt die Autorin, warum es gar nicht so leicht ist, Dinge, die uns das Leben schwerer machen, loszulassen: Zunächst ist da Gewohnheit – unsere Muster, nach denen wir funktionieren. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und es tut gut, Gewohnheiten aufzubrechen und zu verändern. Jeder der Yoga übt, kennt das oder hat es schon einmal gehört. Aus dem Aufbrechen von Gewohnheiten resultiert oft ein veränderter Blick auf die Dinge, die uns bewegen. Aber es bedarf der Übung, wie die Autorin betont: „Mach dir immer wieder klar, dass du übst. Gib nicht zu schnell auf. Wenn du dich dabei ertappst, dass du in alte Muster zurückfällst, zucke mit den Schultern und fange neu an“ (S. 19).

Als zweites Hindernis auf dem Weg des Loslassens nennt die Autorin die „Anhaftung“ (S. 19): Wir sind meist mit den Gedanken in der Vergangenheit oder in der Zukunft verhaftet und vergessen darüber, im Moment zu leben – „eine wichtige Voraussetzung, um das Loslassen zu praktizieren“ (S. 20).

Aber trotz dieser Hindernisse bleibt das Fazit der Autorin klar: Loslassen lässt sich lernen – zumindest wenn man „ganz normal neurotisch“ ist (S. 23) – das Buch richtet sich an Normalos und ausdrücklich nicht an schwer traumatisierte Menschen, die sich unbedingt professionelle Hilfe suchen sollten.

Beim Loslassen geht es nicht unbedingt ums Loswerden

„Negative Gefühle loszulassen, bedeutet […] nicht, dass du sie nie wieder spüren wirst.“ (S. 26): Wir alle sind Menschen mit Gefühlen wie Wut, Angst, Trauer. Das macht uns aus. Beim Thema Loslassen geht es um einen bewussteren, konstruktiven Umgang mit diesen Gefühlen, der uns erlaubt, mit uns Frieden zu schließen und diesen Frieden in die Welt zu tragen (S. 27). Letztendlich ist es das, was mit emotionaler Freiheit gemeint ist. Auch hier lässt sich wieder der Bogen zur Yogaphilosophie schlagen: Raus aus dem ewigen Sich-Bewerten – ob gut oder schlecht – und rein ins Wahrnehmen, Akzeptieren, was ist. Aus dieser Basis heraus lässt sich mit Gelassenheit agieren, der Friede, der in uns entsteht, bewirkt auch etwas nach Außen – denn wir sind alle eins.

Klartext: Methoden, um bestimmte Themen loszuwerden

Wie oben erwähnt, ordnet Heide Liebmann ihre Methoden bestimmten Themen zu:

  • Allen voran stellt sie ein Bündel Methoden, die immer helfen – egal, um welches Thema es geht: Dazu gehören Meditation und Achtsamkeit, das Entmachten von Bewertungen, Schüttelübungen sowie Rituale (S. 39-48)
  • Methoden, um Stress und Anspannung loszulassen: mentale Pakete packen, Gefühle ausstreichen, ausmisten, die Helikopterperspektive einnehmen, Visualisierungen (S. 49-58)
  • Methoden, um Erwartungen loszulassen: aufhören zu warten, Erwartungen ins Meer werfen, Zwiegespräch nach Michael Lukas Moeller, Großzügigkeit üben (S. 59-70)
  • Methoden, um Träume loszulassen: tun oder lassen, sich die richtigen Fragen stellen, wozu anstelle von warum (S. 71-81)
  • Methoden, um das alte Selbstbild loszulassen: Zeitreise in die Zukunft, 20 Gründe, Power-Posen, Lebensbilder aufspüren und verändern (S. 82-94)
  • Methoden, um Perfektionismus und Kontrolle loszulassen: Pareto-Prinzip – 80-20-Prozent, innere Mickey-Maus-Stimme, sich bewusst blamieren (S. 95-104)
  • Methoden, um Scham und Schuldgefühle loszulassen: eine neue Geschichte erfinden, raus aus der Angst, in den Spiegel schauen (S. 105-114)
  • Methoden, um Trauer und Trennungsschmerz zu verarbeiten: die Perspektive wechseln, die liegende Acht, Energievampire loslassen (115-127)
  • Methoden, um belastende Erinnerungen aus der Vergangenheit loszulassen: Unangenehmes wegatmen, die Sedona-Methode, in Frieden kommen durch Vergebung, the Work von Byron Katie (S. 128-147)

„Solange du diese „negativen“ Gefühle immer wieder wegdrückst, sie nicht fühlen willst, solange haben sie weiter Macht über dich“ (S. 129)

Voraussetzung für das Funktionieren der vorgestellten Methoden ist, dass man sich der Gefühle, die man loslassen möchte, bewusst wird und aufhört, sie wegzudrücken. Dies ist mit Sicherheit der erste Schritt, wenn es ums Loslassen geht – ein bewusster und möglichst wertfreier Umgang mit sich selber – oder, wie die Autorin schreibt: „Du kannst nur deine innere Haltung ändern“ (S. 121), aber diese Veränderung kann sehr viel bewirken. Wie wir diese innere Haltung ändern können, dafür gibt uns die Autorin eine schöne Auswahl an Hilfsmitteln an die Hand – da ist bestimmt für jede*n etwas dabei.

Lust auf eine weitere Buchrezensionen von mir? Bitte hier entlang: Trauma heilen

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar