Selbstzweifel, mein treuer Begleiter durchs Leben

Über Selbstzweifel: Das ZEIT MAGAZIN hat im März einen Artikel über Selbstzweifel gebracht, geschrieben von der Autorin und Radiomoderatorin Sophie Passmann. Dieser Artikel hat mir aus der Seele gesprochen, denn das Thema Selbstzweifel begleitet mich durch mein Leben.

Am Selbstzweifel kann frau verzweifeln

Es stimmt schon, Selbstzweifel können sich durchaus negativ auswirken, ein Hemmschuh sein, der dich viele Gelegenheiten oder auch Jobs verpassen lässt. Selbstzweifel können dich daran hindern, die Chancen zu ergreifen, die sich spontan auftun. Weil man ja dann diese kleine Stimme im Ohr hat, die einem sagt, „das schaffst du nicht, bleib versteckt, tritt nicht ins Rampenlicht, dafür bist du nicht gut genug“. Selbstzweifel sind die Gegenspieler vom Sprung ins kalte Wasser. Doch dieser Sprung ist es zuweilen, der uns erfrischt und neue Horizonte eröffnet. Ich weiß nicht, ob Selbstzweifel typisch weiblich sind, aber mein Eindruck ist, dass es deutlich mehr Frauen sind, die mit sich hadern, an sich zweifeln, sich kleiner machen, als sie sind.

Zweifel als Hindernis

In der Yogaphilosophie sind die Zweifel ein Hindernis auf dem Weg zur Freiheit. Hier wird betont, wie wichtig es ist, einen wertneutralen Blick auf sich und seine Umgebung zu werfen, um Muster erkennen und sich davon befreien zu können. „Zweifel oder Unsicherheit ist ein schweres Hindernis auf dem Weg zur Selbstverwirklichung und hält jeden geistigen Fortschritt auf. Durch Umgang mit Weisen (satsanga), durch Studium religiöser Bücher, durch Unterscheidung und Einsicht kann man den Zweifel zerstören, den großen Feind, der das Bewusstsein in Unruhe versetzt und immer wieder vorrücken wird, um den Schüler von seinem Weg abzubringen.“ (wiki.yoga-vidya.de/Zweifel#Zweifel_als_Hindernis).

Es wird also mit dem Zweifel gearbeitet, um ihn zu überwinden. Im Wort Zweifel steckt die „Zwei“, die Dualität, das Schwanken, Hadern. Aber das heißt ja nicht, dass der Zweifel immer die Oberhand erhält – es gibt ja immer mindestens zwei Seiten oder Perspektiven. Beim Selbstzweifel kann ich mich ja auch für mich entscheiden, nämlich dass ich gut genug bin, mich rauswagen soll aus meinem Versteck und laut „hier“ schreien soll.

Zweifel als Möglichkeit, um zu wachsen

Der Zweifel hat also auch etwas Positives: Wenn wir uns selbst immer schon genug sind, lernen wir ja gar nicht mehr. Dann ist schon immer alles in uns. Aus philosophischer Sicht mag dies gelten, denn die Erleuchtung ist immer schon in uns angelegt. Aber wenn wir in unserem Beruf oder in unserem Handeln besser werden wollen, lohnen sich Selbstzweifel durchaus. Sie lassen uns über den Tellerrand blicken, lassen uns wachsen, indem wir uns strecken, sie lassen uns nachdenken, einen Schritt zur Seite gehen und dann wieder neu beginnen.

In ihrem Artikel im ZEIT MAGAZIN schreibt die Autorin Sophie Passmann diesen genialen Satz „Wer nicht zweifelt, hat die Welt nicht verstanden.“ Wenn die Mächtigen dieser Welt diesen Satz beherzigen würden, dann wäre unsere Welt deutlich friedlicher, weniger ausgrenzend, weniger Interessen getrieben. Und wenn die Wirtschaftsbosse ein bisschen mehr an sich selbst zweifeln würden, würden wir vielleicht nicht immer wieder über zu hohe Managergehalte diskutieren. Dann wären vielleicht auch deutlich mehr Frauen in den Vorstandsetagen. Die Welt wäre ein bisschen wärmer. Und die Selbstzweifel wären nicht mehr verpönt, sondern anerkannte social Skills.

Foto: Ute Freundl

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